ab dem 18.11.2015

Thomas Ludewig & Erik Beyer

Keramiken & Fotografien

Thomas Ludewig
• geboren 1962 in Zwickau
• Polytechnische Oberschule
• 1976 Umzug nach Beichlingen / Thüringen
• Abitur an der EOS Sömmerda
• Armee
• 1984–1989 Studium Veterinärmedizin in Leipzig
• 1989-2001 wissenschaftlicher Assistent des veterinäranatomischen Instituts der Univer-
sität Leipzig
• heute: Wohnung und Arbeit in Halle (Saale)
Assemblagen aus Keramiken auf strukturiertem Schwemmholz, Keramik, Porzellan und Metall
In Leipzig entstand ein freundschaftlicher Kontakt zum Keramiker und Künstler Harald Bauer, welcher mich bis heute in meiner Arbeit prägt. Seitdem arbeite ich in regelmäßigen Abständen im Zirkel seines Ateliers in Leipzig. Zu meiner autodidaktischen Arbeit als Keramiker inspiriert mich seit jeher das stete Wirken der Natur.
Zur künstlerischen Verarbeitung erwähle ich zumeist Schwemmholz aus Flüssen, das ich auf Spaziergängen finde. Aber vielleicht legt es sich mir auch in den Weg?
Das Wirken des Wassers bearbeitet das Holz und hinterlässt strukturell veränderte Oberflächen - nur die harten Holzanteile blieben zurück. Genau darin besteht der besondere Reiz. Diese entstandenen hölzernen Strukturen interessieren mich; dem Zufall sei dabei durchaus weiter Raum eingeräumt.
Daraufhin versuche ich Keramiken zu schaffen, die in Größe, Form und Färbung mit dem toten Gebilde zu einer ästhetische Einheit verschmelzen. Das letztendliche Montieren der Keramik stellt sich dabei nicht selten als eine ziemlich diffizile Angelegenheit heraus. Die Umwertung des Holzes zu Assemblagen geschieht auf ästhetischer Ebene und scheinbar wertlos gewordenen Dingen wird ein zweites Leben verliehen.
Das Betrachten der Werke führt die Vergänglichkeit vor Augen, aber auch die tröstliche Möglichkeit einer Art ,Auferstehung‘.
Mich faszinieren die subtil im Schaffungsprozess vereinten Gewalten: Erde und Ton – gebrannt im Feuer; Holz, ausgewaschen und bearbeitet im Wasser.
Im Fokus all meiner Beschäftigung steht dabei, das gestalterische Wirken der Natur aus dem Verborgenen ins Licht des Betrachters zu rücken - den Blick für die Schönheit der Natur zu schärfen.
Jedes Stück Holz hat eine Reise hinter sich und kann dem aufmerksamen Betrachter von dieser erzählen.
Es gehört zum Wesen der Kunst, dass sie Realität zu gesteigertem Ausdruck bringt und einen geheimen Sinn der Natur enthüllt, den zu finden oder zu erdichten dem Menschen ein uraltes Bedürfnis ist. (H. Hesse)
Homepage: www.keramik-ludewig.de E-Mail: teuspro@gmx.de

Erik Beyer
• geboren 1996 in Dessau
• ab 2006 Liborius Gymnasium Dessau
• 2011 Umzug nach Halle (Saale)
• 2014 Abitur und Umzug nach Berlin
• seit 2014 Studium der Volkswirtschaftslere an der Freien Universität Berlin
Beschleunigen
Die durchschnittliche Haltedauer einer Aktie betrug im Jahre 1994 noch 4 Jahre. Im Jahr 2013 lag dieser Wert bei 22 Sekunden (!).
2015 besaßen die Deutschen 45,6 Millionen Smartphones.
Im Jahre 2001 nutzten 37 % der Deutschen das Internet. 2014 waren es bereits 76,8 %.
Gemessen ab dem 10. Lebensjahr besitzen 87 % der Deutschen mindestens eine private E-Mail-Adresse. 23 % besitzen gleich zwei und 9% mehr als drei.
Bei jeder beruflichen E-Mail-Adresse gehen täglich (!) durchschnittlich 18 Emails ein.
Sie, lieber Besucher, werden sich jetzt vielleicht fragen, weshalb ich im Motivationsschreiben einer Kunstausstellung mit solch wirren Zahlen daherkomme.
Nun, ich möchte Ihnen meine Antwort nicht vorenthalten.
Das geflügelte Wort, um das es mir hierbei geht und das allenthalben durch sämtlich Medienformate geistert, heißt Beschleunigung.
Nahezu jeder kennt dieses Gefühl des immer währenden Stresses – alles muss schneller, besser und effizienter von Statten gehen – doch kaum jemand vermag zu sagen, woher sie eigentlich kommt, diese Beschleunigung.
Sicher, eine wesentliche Rolle spielen dabei elektronische Kommunikationsmittel; wir sind einer immer währenden Flut von Reizen praktisch schutzlos ausgeliefert. Morgens, wenn wir in der U-Bahn sitzen (oder wie auch immer wir möglichst schnell zur Arbeit kommen), hören wir Musik, lesen dabei auf dem Smartphone die neusten Nachrichten und ‚checken‘ erste Emails, noch ehe wir richtig wach sind. Dabei haben wir schon 10 Werbeplakate passiert und mindestens ebenso viele online Werbeanzeigen inhaliert.
Dann wird gearbeitet.
Sofern man dazu kommt – wenn ausnahmsweise einmal keine E-Mail auf ihre Beantwortung wartet. In der Mittagspause (wenn vorhanden) werden dann die passenden Facebook-Posts oder Kommentare vorbereitet – man möchte ja mitreden können.
Es ist ein zwar latent bleibendes, aber dennoch höchst einflussreiches Wettbewerbsdenken, welches sich hier in Reinform manifestiert und uns nicht selten dazu veranlasst, sogar Wochenends oder Feiertags zu arbeiten – Smartphone und Notebook sei Dank: wieder Beschäftigung.
Bei alldem haben wir scheinbar eines verlernt: allein zu sein – nur mit sich in einem Raum – furchtbar!
Natürlich haben wir heute eine ganze Menge mehr Möglichkeiten, als noch unsere Eltern oder Großeltern sie hatten. Das damalige „Ich möchte nur, dass du es einmal besser hast als ich“ wurde zum „So schön wie du, möcht‘ ich‘s auch mal haben“.
Nur ist es genau das, was uns davon abhält, ein gutes Buch zu lesen, wirklichen Hobbys nachzugehen – sich der Muße hinzugeben.
Ständig sehen wir uns einem großen inneren Rechtfertigungsdruck ausgesetzt – Zeit ist schließlich unser kostbarstes Gut und man muss aus ihr deshalb auch stets den größten Nutzen ziehen.
Abbremsen
Die zentrale Frage, die sich nun stellt ist eine einfache:
Wie verschaffe ich mir (Lebens-)Zeit?
Meine Antwort auf diese Frage ist Gegenstand dieser Ausstellung. Doch kann mein Ergebnis höchstens dazu beitragen, dass Sie, verehrter Besucher, sich selbst diese Frage stellen.

Ich persönlich mag Entspannung dabei empfinden, in alten, verfallenen Ruinen herumzuklettern und die sich mir dort darbietenden Szenarien so stimmungsvoll wie möglich einzufangen. Auch ist es mir ein besonderes Anliegen, Dingen, die wir viel zu oft gar nicht wahrnehmen (können), einen großen Auftritt zu bescheren, indem ich mich auf meinen Streifzügen für wenige Stunden vom Tunnelblick des Alltags befreie.
Doch muss sich jeder dieser Frage gefälligst selbst stellen.
Durch eine Ausstellung gehen, das kann man nur allein. Und es braucht Zeit, die man ‚verschwendet‘. Dies einmal bedacht, kostet es gleich eine Menge Überwindung, sich auf ein solch fremdartiges ‚Experiment‘ einzulassen.
Ich drücke Ihnen ganz fest die Daumen!
E-Mail: er-beyer@web.de